Clubhouse: Hype oder hoffnungslos überbewertet?

Die Gespräche finden in so genannten Räumen statt: Es gibt Moderator*innenen, Sprecher*innen und Zuhörer*innen. Jedes Mitglied kann öffentlichen Räumen beitreten oder eigene eröffnen. Auch geschlossene Räume, um sich ungestört mit Freund*innen zu vernetzen, sind möglich.

Die Rede ist vom neuesten Hype in der Digitalwelt: „Clubhouse“ ist eine Audio-only-App, in der es ums Zuhören und gehört werden geht. Keine Kommentare, keine Likes, keine eingeschaltete Kamera – dafür kann man Gesprächen wie bei einem Live-Podcast lauschen oder sich aktiv an Diskussionen beteiligen. Einen Haken, der gleichzeitig ein großer Anreiz ist, hat die App: Wer mitmachen will, braucht eine Einladung von einem Mitglied.

Lisa Inselmann und Sinja Belgard, Digital-Expertinnen bei der Bauer Xcel, erklären, was es mit Clubhouse auf sich hat und wie sie die neue App einschätzen.

Lisa Inselmann
Sinja Belgard

Lisa: Die Audio-App Clubhouse ist eine Plattform für interaktive Live-Gespräche – quasi ein linearer interaktiver Podcast – gepaart mit klassischen Social-Media-Elementen wie Nutzer-Profilen und der Funktion, einander zu folgen.

Sinja: Natürlich trifft die App damit gerade im Corona-Lockdown den Zeitgeist, da weder Konferenzen oder Messen stattfinden oder generell ein Netzwerken möglich ist. Derzeit findet sich in der App allerdings noch eine sehr spitze B2B-Zielgruppe aus Medien- und Marketingleuten wieder. In den Audio Räumen können aktuell nur bis zu 5.500 Leute gleichzeitig zuhören. Deshalb ist der Hype um diese App erstmal sehr begrenzt auf einen (noch) kleinen, aber feinen Kreis. Es bleibt spannend und abzuwarten, ob Clubhouse nach und nach auch in der breiten Zielgruppe ankommen wird.

Lisa: Derzeit befindet sich die App noch in der Beta-Version. Die damit völlig zu Recht verbundene aufkommende Kritik, wie beispielsweise die fehlende Barrierefreiheit für Gehörlose, die Elitebildung durch rationierte Einladungslinks oder die iOS-Exklusivität könnten somit in der fertigen Version durchaus berücksichtigt werden. Was bedeutet, dass die Nutzer*innen großen Einfluss auf die Zukunft und Gestaltung der Clubhouse-App haben könnten.

Jetzt, wo es keine großen Events geben kann, springt Clubhouse für den Branchen-Talk ein. Der perfekte Zeitpunkt also für einen Hype, der bislang vor allem in der Digital- und Marketing-Bubble stattfindet. Spannend wird jetzt, wo und wann die App ihre Grenze im Wachstum erreicht, ob sie so groß wird, dass sie auch von Menschen außerhalb der Branche genutzt wird – oder ob ‚Drop In Audio‘ eher ein weiteres Feature der bekannten Plattformen statt langfristig neue Standalone-App wird.

Marieke Abt ist Chief Brand Business Officer in der Bauer Xcel

Marieke Abt

Sinja: Natürlich bewerten wir solche Trends und neue Kanäle auch immer für unsere Marken. Clubhouse bietet derzeit aus meiner Sicht am ehesten Potenzial für Agenda Setting in einer ausgewählten B2B Zielgruppe – also für Themen und Visionen, für die eine Medienmarke steht und Aufmerksamkeit schaffen möchte. Ein tolles Beispiel ist das Thema Female Empowerment in Verbindung mit unserer Marke Cosmopolitan. Unsere digitale Chefredakteurin Enita Ramaj hat probeweise bereits an einer Talkrunde im Rahmen von Miss Germany zu genau diesem Thema teilgenommen. Sie war Co-Moderatorin neben Miss Germany-Geschäftsführer Max Klemmer und Unternehmerin Isa Daur. Solche Tests werden wir auch weiterhin machen, um uns ein allumfassendes Bild über das Potenzial und die damit verbundenen Möglichkeiten zu machen.

Allerdings müssen wir in einem solchen Kontext auch immer das Thema Datenschutz mitdenken: Es gibt noch erste datenschutzrechtliche Bedenken, die wir parallel prüfen lassen. Wir beobachten auf jeden Fall weiter und sind ebenfalls gespannt, wie lange der Hype um Clubhouse aufrechterhalten wird und inwiefern sich die App auch in einer breiteren Zielgruppe durchsetzen wird. Wir halten euch auf dem Laufenden!

Lisa und Sinja arbeiten bei der Bauer Xcel

Lisa Inselmann begleitet als Junior Audience Development Managerin Paid und Social Media unter anderem Traffic-Seeding- und Paid-Kampagnen für interne sowie externe Kunden. In ihrem Team ist sie an der Entwicklung der Social Media-Strategien unserer 13 Digital-Marken beteiligt, zu denen unter anderem lecker.de, cosmopolitan.de, liebenswert-magazin.de, maennersache.de und wunderweib.de gehören.

Sinja Belgard ist Head of Content & Brand Marketing und als Business Ownerin für einen Teil unserer Digitalmarken vor allem markensteuernd tätig. Die Themen Vermarktung & Branding und die strategische Weiterentwicklung unserer Brands entlang des Vermarktungspotenzials liegen ebenfalls in Sinjas Verantwortungsbereich. Für neue Crossmedia-Potenziale agiert sie als Schnittstelle zur Bauer ADVANCE und auch zu den Verlagsleitungen.

Sie haben Rückfragen? Dann melden Sie sich gerne bei Kerstin Walker.

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