Wie führt Mann heute?

Mit dem Männerbild haben sich auch die Ansprüche gewandelt, die wir an männliche Leadership-Qualitäten richten: Es geht nicht mehr nur ums Gegen-, sondern mehr denn je um ein Miteinander. Wie das im Job gelebt wird? Konstantin Spachis, Chief Fashion Director MADAME/Creative Director MONSIEUR und sein Team haben sich in den Chefetagen verschiedener Unternehmen umgehört.

von Konstantin Spachis

Die eigene Erfahrung ist maßgeblich, wenn wir uns einem Thema nähern: Ich habe zur Verwunderung mancher Kolleg*innen weder Journalismus noch Modedesign, sondern Betriebswirtschaft an der Universität zu Köln studiert. Bei meinen BWL-Kommiliton*innen waren damals nicht nur die Stilcodes sehr genau definiert (Barbour-Wachsjacke, Bootsschuhe von Timberland, aufgestellter Hemdkragen), sondern auch der angestrebte Führungsstil: Neo-Yuppie mit ausgeprägtem Hang zur Ellenbogenmentalität – Gordon Gekko ließ grüßen. American Psycho zählte nicht ohne Grund zu den Lieblingsfilmen unter den Jungs meines Jahrgangs.

Und selbst zu Beginn meiner Karriere erlebte ich am eigenen Leib, was es bedeutet in einem toxischen Arbeitsumfeld zu arbeiten. Dann kamen Bankenkrise, #metoo und Neofeminismus: Der alte, weiße Mann ist seitdem ein Feindbild.

Mit dem Verschwimmen klassischer Geschlechtergrenzen haben sich auch die Ansprüche gewandelt, die wir an männliche Leadership-Qualitäten richten. Genau das war unser Ziel in der Konzeption unseres großen Businessdossiers für die aktuelle Ausgabe von MONSIEUR: Erfolgreiche Männer mit echtem Identifikationspotential zu zeigen und zu Wort kommen zu lassen, die Empathie, Teamspirit und Mitarbeiterentwicklung in ihrer Unternehmenskultur prägen. Männer, die ihre Chefrolle nicht als Ego-Show betrachten – und eine sinnvolle Selbstreflektion betreiben. Besonders beeindruckt hat mich der sehr persönliche Essay von Eric Markuse, der heute die Kommunikationsabteilung des Bayerischen Landtags leitet. Einer von vielen sehr spannenden Männern, mit denen wir über ihr Führungsverständnis gesprochen haben.

Einmal bin ich gegangen, weil ich mir von einem blasierten Zyniker nicht länger sagen lassen wollte, wie ich meinen Job zu machen habe. Hätte ich diesen Schritt nicht getan, wäre der Konflikt eskaliert und es hätte Kollateralschäden im Team, aber auch an meiner Gesundheit gegeben. Man muss ein Gefühl dafür entwickeln, wie hoch der Preis ist, wenn man eine Schlacht gewinnen will

Eric Markuse in MONSIEUR

Ich teile Eric Markuses Einschätzung, wenn er sagt, „Frauen-Chefs sind nicht weniger talentiert oder ehrgeizig als Männer-Chefs. Doch anders als Männer haben sie oft ein Gespür dafür, an welchem Punkt es nicht weitergeht, wo aussichtslose Situationen lauern. Frauen verrennen sich seltener, sie wollen weniger oft mit dem Kopf durch die Wand, wenn diese erkennbar aus Beton ist.“ Das ganze Interview und viele weitere Statements von interessanten Männern lest Ihr in der neuen Ausgabe von MONSIEUR, die ab sofort erhältlich ist.

In MONSIEUR schreiben und zeigen sich viele spannende Männertypen – das macht das Magazin glaubwürdig und authentisch für eine erwachsene Zielgruppe, die Qualität und Handwerk schätzt. MONSIEUR versteht sich als verlässlicher Begleiter und guter Berater des Stils und der Lebensart. MONSIEUR erscheint zweimal im Jahr, im Bundle mit MADAME (je mit Heft 4 und 10 in 2020) und ganz neu als Standalone mit der Frühjahrsaugabe ab dem 18.3 zu einem Copypreis von 4,90 Euro.

Leadership heute – und wie erfolgreiche Männer darüber denken:

„Es ist wichtig, dass man Eigenverantwortung zulässt, aber auch zur richtigen Zeit für die Kollegen da ist und sie unterstützt.“
Es ist wichtig, dass man Eigenverantwortung zulässt, aber auch zur richtigen Zeit für die Kollegen da ist und sie unterstützt.

Holger Stromberg, Koch

Ein moderner Boss sollte authentisch sein und die Werte des Unternehmens nach außen tragen – ein Botschafter der eigenen Marke sein.

Ricardo Guadalupe, CEO Hublot

Ein gutes Credo: immer in Bewegung sein. Dazu gehört auch, Bestehendes in Frage zu stellen und verschiedene Perspektiven einfließen zu lassen.

Yilmaz Dziewior, Direktor Museum Ludwig

Man kann Räume so gestalten, dass sie Menschen helfen, innovativ zu sein. Das manifestiert sich zum Beispiel in der Flexibilität von Arbeitsräumen und -zeiten. Angestoßen werden Innovationsprozesse aber auf Führungsebene: Führungskräfte haben überproportionalen Einfluss und müssen ein offenes Ohr für die Ideen und Belange der Mitarbeiter haben.

Dr. Frederik Pferdt, Innovationsexperte bei Google

Für viele Männer-Chefs ist die Fähigkeit, Emotionen, Gefühl oder Gedanken in einer anderen Person zu erkennen immer noch reine Gefühlsduselei und Zeitvergeudung.

Eric Markuse, Leiter des Kommunikationsstabs im Bayerischen Landtag

Sie haben Rückfragen? Dann melden Sie sich gerne bei Katrin Hienzsch.

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