„Let’s talk to… Ute Oelker“

Ute Oelker erzählt emotionale Geschichten mithilfe von Bildern – als Fotochefin von Neue Post kann sie dieser Leidenschaft tagtäglich nachgehen. Jede Woche ein Produkt zu machen, das die Leser*innen unterhält und Emotionalität erzeugt, treibt die New York-Liebhaberin beruflich an. Im Interview verrät Ute, was ihr und ihrem Team bei der Organisation in Corona-Zeiten hilft, was sie zur Bauer Media Group geführt hat und welches Foto sie persönlich geprägt hat.

In unserer Gesprächsrubrik „Let’s talk to…“ stellen wir Ihnen regelmäßig Mitarbeiter*innen der Bauer Media Group vor.

Ute, Du bist Fotochefin in der Redaktion von Neue Post. Wie sieht Dein Arbeitsalltag aus?

Ich sichte mit meinem Team morgens alle Fotos, die per Mail oder per ftp (file transfer protocol) in unserem Redaktionssystem eingegangenen sind. Angeboten werden uns diese Bilder von Agenturen und Fotografen aus der ganzen Welt. Unter der Woche sind das zwischen 6.000 und 40.000 Fotos täglich. Nach einem Wochenende, an dem viele große Events waren, können es aber auch mal 100.000 sein. Wir halten Ausschau nach Bildern, die zu Neue Post passen, die emotionale Geschichten erzählen oder die eventuell etwas für unsere „Fotos der Woche“-Seite wären, weil sie außergewöhnlich, lustig oder berührend und damit Hingucker sind. In der täglichen Konferenz präsentiere ich unsere Auswahl und schlage Themen vor, die in unsere Storylines passen – zumindest normalerweise. Natürlich bebildern wir auch die Themen, die redaktionell ins Heft gehoben werden. Ich halte mit meinem Team außerdem Kontakt zu den Agenturen und Fotografen, vergebe Aufträge und mache die Abrechnung. Genauso wie unsere Textredakteure durchforsten wir zudem einschlägige Social-Media-Foren und ausländische Medien – nur eben hauptsächlich nach Fotos.

Du hast es schon angedeutet: „normal“ ist aktuell nicht. Wie organisiert Ihr Euch in Zeiten von Corona?

Unsere Redaktion beziehungsweise unser Verbund ist sehr schnell komplett ins Home Office gewechselt. Unser Chefredakteur Eike Lange sowie unsere Chefs vom Dienst (CvDs) haben schnell, pragmatisch und mit hohem persönlichem Einsatz den Umzug organisiert. Anfängliche technische Probleme wurden zügig behoben. Da wir bereits mit Teams arbeiteten, mussten wir nur die Channel-Struktur anpassen und konnten loslegen. Der Austausch klappt prima, wir machen morgens unsere tägliche Redaktionskonferenz, ich teile meinen Bildschirm und präsentiere die besten Fotos des Tages. Das sind allerdings nur noch sehr wenige. Alle Partys und Veranstaltungen sind abgesagt. Die Royals bleiben in ihren Palästen und die Promis daheim. Das wird zunehmend eine Herausforderung. Unsere Produktion läuft auch im Home Office sehr gut, aber der persönliche Kontakt zu den Kolleg*innen fehlt. Umso mehr freue ich mich immer auf den nachmittäglichen Espresso mit meinen Foto-Kolleg*innen – im virtuellen Chat.

Ute Oelker

Was magst Du besonders an Deinem Job bei Neue Post?

Ich mag Menschen und Geschichten – und Menschen und ihre Geschichten. Und natürlich Fotografie. Deshalb ist mein Beruf perfekt für mich. Ich liebe es, Geschichten mithilfe von Bildern zu erzählen, unsere Headlines emotional mit Fotos aufzuladen, sodass die Leserin gar nicht anders kann, als hinzugucken und zu lesen. Ich mag die Vielfältigkeit, ich mag auch Klatsch und Tratsch, das ist klar. Ich liebe es, jede Woche ein Produkt zu machen, das unsere Leser*innen unterhält und Emotionalität erzeugt.

War Deine Liebe zur Fotografie schon immer da?

Vor meiner Faszination für Fotos war die Liebe zum Wort da. Schon als Kind habe ich alles, was gedruckt war, verschlungen. 1990, Jahre später, habe ich dann einen Studentenjob gesucht – und landete in einer großen Foto-Presseagentur. In dieser Zeit hat sich mir die Welt der Fotografie eröffnet. Und ist ebenfalls zu einer großen Liebe geworden. Nicht auf der technischen, sondern auf der emotionalen Ebene. Mich fasziniert die Kraft der Fotos. Nach einiger Zeit hat mir mein Chef einen Job als stellvertretende Ressortleiterin angeboten. Irgendwann fand ich, um eine komplette Bildredakteurin zu sein, müsste ich beide „Seiten“ kennen – also auch in einer Redaktion arbeiten. Ich bewarb mich 2004 bei das neue als Fotochefin und bekam die Chance. Knapp sieben Jahre habe ich bei das neue gearbeitet, habe dann einen kleinen Ausflug nach Frankfurt in eine Agentur gemacht und bin seit 2013 wieder in der Bauer Media Group.

 

Von den People-Magazinen, die sich an eine eher jüngere Zielgruppe richten, wissen wir, dass sich ihre Arbeit durch Soziale Medien (vor allem Instagram) verändert hat. Gilt das auch für Magazine wie Neue Post?

Ja, natürlich. Auch Promis und Royals, die für unsere Leserinnen interessant sind, nutzen diese Plattformen, um Neuigkeiten zu verkünden. Und wir damit auch. Und zwar jeden Tag.

Manche Fotos brennen sich einfach in unseren Köpfen ein. Gibt es ein Bild, was Dich persönlich geprägt hat?

Es ist kein einzelnes Foto, das mich nachhaltig geprägt hat, sondern eher ein Ereignis: der Tod von Prinzessin Diana. Und zwar auf vielen Ebenen. Ich habe damals noch in der Agentur gearbeitet. Ich werde nie die Worte meiner Kollegin am Telefon vergessen, als sie mir Sonntagmorgen um sieben die Nachricht überbrachte. Dianas Tod hat die „natürliche Ordnung“ komplett zerstört. Alle waren unter Schock. Mit 36 war sie einfach noch nicht dran, zu sterben.  Außerdem war sie eine Ikone, die Königin der Herzen und die zu dem Zeitpunkt meistfotografierte Frau der Welt.

An jenem Sonntag war ich gegen acht in der Agentur und habe dann 13 Stunden durchgepowert. Damals haben wir noch mit Dias gearbeitet – und ein Großteil davon war natürlich nicht digital vorhanden. Unzählige Dias mussten also gesichtet, gescannt und an die Kunden geschickt werden. Es gab über Tage kein anderes Thema. Nicht in unserer Agentur und auch nicht in der Medienwelt. Auch auf emotionaler Ebene hat mich Dianas Tod sehr berührt. Ich werde nie die Fotos ihrer beiden Jungs, Harry und William, vergessen, die so tapfer hinter dem Sarg hergingen. Aber nach diesem Super-GAU wusste ich auch, was ich schaffen kann, wenn ich muss – und dass ich diesen Adrenalin-Kick in unserem Business sehr mag. Ohne Tote allerdings.

Was hat sich im Unternehmen seitdem aus Deiner Sicht insgesamt getan? Gibt es innerhalb Deines Teams spürbare Veränderungen?

Das Unternehmen ist offener geworden, beweglicher. Es gibt diverse Möglichkeiten, um mit Kolleg*innen aus anderen Bereichen ins Gespräch zu kommen. Das finde ich großartig. Unser Neue Post-Team ist auch in Bewegung. Seit August letzten Jahres sind wir im Verbund mit den monatlichen Yellows. Wir sind so schnell zusammengewachsen, dass wir den Prozess kaum bemerkt haben.

Genug von der Arbeit: Was machst Du gern, wenn Du abends zur Office-Tür raus bist? Wie entspannst Du Dich?

Ich lese noch immer gerne und viel. Vor Kurzem habe ich allerdings auch Podcasts für mich entdeckt. Im Moment verfolge ich die verschiedensten Podcasts, z.B. „Deconstructed“, „Auf den Punkt“ oder „Amerika Übersetzt“. Ich höre gern rein in neue Formate, die auf den Markt kommen. Ansonsten liebe ich Flohmärkte, den Austausch mit meinen Freunden, Theater, Reisen, Kino und Pilates. Abends entspanne ich meistens auf meiner Shaktimat (Akupressurmatte) – dabei kann ich am besten abschalten.

„Ich würde gerne mal…“

…ein Jahr in New York leben. Ohne Arbeit und ohne Geldsorgen. Einfach durch die Stadt laufen und in sie eintauchen, zum Pilates gehen, diverse Kurse besuchen, Freunde beherbergen, ins Theater oder Kino gehen und abends voller Freude in mein Brownstone-Haus im West Village zurückkommen.

Das Interview mit Ute Oelker führte Judith Kerstgens.

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