„Let’s talk to… Markus Dietsch“

Markus Dietsch ist Content Manager Aktuell in der Verbundredaktion unserer Frauentitel tina, bella, Laura, Alles für die Frau und Meins sowie Stellvertreter der Chefredakteurin Sabine Ingwersen. Wegen der Coronakrise arbeiten seit einigen Tagen alle Redakteur*innen unserer Magazine im Home Office – eine echte Herausforderung für alle Teams! Wie Content Management vom heimischen Schreibtisch aus gelingt, verrät Markus Dietsch im Interview.

Welche Story für welchen Markenkern? Content Manager Markus Dietsch findet für jede Geschichte den richtigen Dreh, damit sie zu einer „seiner“ fünf Frauenzeitschriften passt. Ein Team aus Redakteur*innen, freien Fotograf*innen und Grafiker*innen produziert Fotostrecken, Reportagen und Real-Life-Texte – immer mit kreativem Aufhänger und für jede Marke zielgruppengenau. Außerhalb des Jobs hat Markus nichts dagegen, wenn’s auch mal laut zugeht – eine Extradosis Rock’n Roll holt er sich bei Konzerten in der Hamburger Clubszene.

In unserer Gesprächsrubrik „Let’s talk to…“ stellen wir Ihnen regelmäßig Mitarbeiter*innen der Bauer Media Group vor.

Insgesamt ist es gelungen, dass rund 1.400 Mitarbeiter*innen bei Bauer mittlerweile im Home Office arbeiten können. Auch Euer gesamtes Team, Markus, hat sich an den Schreibtischen zu Hause eingerichtet. Was klappt schon gut und wo hapert es?

Technik und Kommunikation klappten erstaunlich gut. Die Kollegen sind alle über Microsoft Teams vernetzt und wir sehen uns bei täglichen Videocalls. Auch innerhalb unserer Chefredaktion haben wir inzwischen das Gefühl, trotz der räumlichen Distanz eng zusammen zu sitzen. Dennoch fehlt bei der kreativen Arbeit des Magazinmachens natürlich auf Dauer der direkte Kontakt zu anderen Menschen sehr.

Markus Dietsch

Du arbeitest als Mann im Frauenkosmos um tina – hilfreich oder Hindernis?

Kein Hindernis, im Gegenteil: Ich mache diesen Job in verschiedenen Verlagshäusern schon seit 20 Jahren und bewege mich auch außerhalb des Bauer-Kosmos in einem sehr weiblich geprägten Umfeld. Ich habe drei Töchter und interessiere mich seit jeher eher für die zwischenmenschlichen Themen.

Wo hast Du Deine journalistische Laufbahn gestartet?

Ich kam von einer Lokalzeitung zu Axel Springer, war dann einige Jahre lang Chefreporter bei der tina, später habe ich das Aktuell-Ressort bei der FÜR SIE im Jahreszeiten Verlag geleitet. 2015 kam in Sabine Ingwersens Verbundredaktion zur tina und bella die Meins dazu, die Position eines Content Managers wurde geschaffen. Der Job hat mich gleich gereizt. 2016 wurde dann Laura integriert, ein Jahr später die Alles für die Frau. Mit den Inhalten aus unserem Aktuell-Ressort beliefern wir auch andere Titel aus dem Haus.

Was macht ein Content Manager genau?

Die Herausforderung liegt vor allem darin, Geschichten für überschneidende Zielgruppen wie bei tina und bella jeweils neu und aus verschiedenen Blickwinkeln zu erzählen: Wir überlegen bei jeder Themenkonferenz, welcher Twist in einer Story für welche Marke richtig ist. Ein Beispiel: Wir haben vor einiger Zeit in der tina eine Reportage über eine Gründerin veröffentlicht, die sehr individuelle Wäsche für Frauen mit einer Brustkrebserkrankung vertreibt. Warum tut sie das, was treibt sie als Frau an, wie ist ihre eigene Geschichte? In tina haben wir die Geschichte aus Sicht der Geschäftsfrau und einer Kundin erzählt. Für bella entschieden wir uns, nur einen Report über die Gründerin und ihre Idee zu machen. In dem einen Fall also eine Wir-Geschichte, in dem anderen eine Ich-Story. In der Meins haben wir dann wiederum ein Interview mit der Kundin allein veröffentlicht. Eine Redakteurin hat insgesamt drei Storys mit jeweils einem eigenen Dreh geschrieben, ein Fotograf hat zu den unterschiedlichen Einstellungen Bilder geliefert. Das ist intelligentes Content Management.

Was ist durch das markenübergreifende Denken in der Redaktion verbessert worden?

Für die Kolleg*innen ist es spannend, für unterschiedliche Marken zu arbeiten. Das Herausarbeiten des Markenkerns ist in Verbundredaktionen noch bedeutender, um Gemeinsamkeiten und Unterschiede zu erkennen. Wo gibt es Berührungspunkte? Das Zielgruppenwissen wird bei jedem von uns Tag für Tag geschärft, weil wir uns intensiv mit unseren Marken auseinandersetzen.

Stichwort Leserbindung – warum ist tina in diesem Bereich so gut?

Die wichtigste Aufgabe ist der kontinuierliche Dialog mit den Leser*innen. An vielen Stellen im Heft fragen wir sie nach ihrer Meinung. Wir bekommen jede Woche viele Leserbriefe und Kommentare per E-Mail und Facebook. Die Leserschaft von tina ist sehr interaktiv, unsere Leserin ist im Schnitt 54 Jahre alt und hat eine ausgeprägte Haltung. Auch Events sind wichtig: Letztes Jahr waren wir bei einer Landmarkt-Tour an vier Standorten in Deutschland präsent und hatten dabei unzählige persönliche Kontakte.

Journalismus und Künstliche Intelligenz, wie denkst Du darüber?

Ich glaube, dass KI uns eines Tages helfen wird, organisatorische Aufgaben zu erledigen, die uns jetzt noch viel Zeit kosten. Wir können uns stärker auf unsere inhaltlichen Kernkompetenzen fokussieren. KI allein wird aber niemals qualitativ vergleichbare Produkte liefern, wie wir Menschen es können.

Welche Veränderungen nimmst Du bei der BMG wahr?

Die Aufbruchsstimmung im Haus ist beispiellos und wir haben jetzt die Chance, unsere Mitbewerber mit intelligenten Workflows und moderner Technik noch weiter abzuhängen. Das alles als Gemeinschaft von Menschen, die auf diesen Kulturwandel Lust haben. Mir gibt der neue fachbereichs- und länderübergreifende Austausch zwischen Print und Online ganz viel Energie.

Kerstin Walker hat Markus Dietsch interviewt.

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