Die neue Wertigkeit von Reisen nach Corona – was ändert sich am Reiseverhalten der Deutschen?

Kerstin Walkert
Kerstin Walker, veröffentlicht am 4. Juni 2021
Manager Corporate Communications / redaktionelle Leitung Bauer Media Blog

Die Corona-Pandemie hat das Leben der Menschen grundlegend verändert – neben dem Alltag auch das Reisen. Kontaktverbote, geschlossene Grenzen und Quarantäne-Bestimmungen haben viele Wochen lang das Reisen verhindert und die Reiseplanung erschwert. Wie sehen die Urlaubspläne der Deutschen für 2021 und 2022 aus und was hat sich an ihrer Einstellung zum Urlaubmachen verändert? Die Gesellschaft für integrierte Kommunikationsforschung (GIK)* hat in einer aktuellen b4p trends Erhebung diese Fragen untersucht. Wir haben mit Daniela Henning von BAUER ADVANCE und Frank Roczniok, Redaktionsleiter der Travel & Service Experts, über Zahlen, (Reise-) Ziele und veränderte Zielgruppenbedürfnisse gesprochen.

Daniela, wir reisen – Corona-bedingt – anders als früher. Gibt es schon Zahlen, die das auch belegen?

Der Travel-Trendreport der GIK spiegelt die Veränderung des Reiseverhaltens durch Corona sehr gut wider. 55 Prozent der Befragten sind 2020 nicht verreist. 45 Prozent können derzeit die Einschränkung beim Reisen durch die Pandemie nur sehr schwer ertragen. 52 Prozent haben deutlich Fernweh. Eine Vielzahl plant den Urlaub anders als die Jahre zuvor.

Daniela Henning, Head of Marketing Home & Travel |            Finance & Services, Bauer ADVANCE
Frank Roczniok, Redaktionsleiter der Travel & Service Experts

Frank, wo liegen eure redaktionellen Herausforderungen derzeit?

Das Pandemiegeschehen ist nach wie vor dynamisch: sowohl was die Situation in den Urlaubs-Destinationen im Ausland betrifft, als auch die Reisebeschränkungen durch die Bundesregierung. Im redaktionellen Alltag müssen wir Tag für Tag sehr genau schauen, welche Urlaubsziele gespielt werden können und welche nicht. Immer vor dem Hintergrund, dass wir nicht tagesaktuell berichten, sondern in der Produktion unserer Magazine einen erheblichen redaktionellen Vorlauf haben.

Da kommt es schon mal vor, dass in einem Urlaubsziel, das bislang eher unauffällig war, die Inzidenz plötzlich durch die Decke geht und wir eine Geschichte kurz vor dem Abgabetermin wieder umschmeißen. Noch spannender war es zu Beginn der Pandemie, als Reisen eigentlich gar nicht mehr möglich war. Wir mussten das Thema neu denken: weniger nutzwertorientiert, sondern noch emotionaler als sonst –  träumerischer, verspielter, aber auch mutmachend. Unsere Reisestorys wurden gewissermaßen zu einem Fenster in die Zukunft, in eine Welt ohne Corona. Die aktuelle Entwicklung aber stimmt nun optimistisch für den Sommer: Innerdeutsches Reisen wird sukzessive möglich, erste Urlaubsdestinationen wie Mallorca, Griechenland und Österreich öffnen für den Tourismus. Trotzdem behalten wir das globale Pandemiegeschehen, insbesondere die etwaige Verbreitung  neuer Mutationen, natürlich aufmerksam im Auge. Es bleibt dynamisch.

Bekommt Reisen eine neue Wertigkeit nach Corona und wie reagiert ihr redaktionell darauf?

Ich glaube nicht, dass Corona alleine das Reiseverhalten der Deutschen nachhaltig und grundsätzlich verändern wird. Aber: Corona hat bestehende Reisetrends noch einmal deutlich verstärkt – Urlaub im eigenen Land, Fahrrad- und Campingurlaub, Nähe zur Natur. Selbst das Buzzword der Coronakrise: „Abstand“ steht auf der Agenda, seit wir über „Overtourism“ diskutieren. All diese Trends waren also schon vorher da. Aber seit Corona werden diese Themen verstärkt von den Stammredaktionen nachgefragt. Und das hat natürlich Einfluss auf unsere Themenplanung. Was neue Trends angeht: Ich bin gespannt, ob wir unmittelbar nach Corona kurzfristig einen Trend zu mehr und luxuriöseren (Fern-) Reisen erleben werden, weil die Menschen nach dem langen Verzicht sagen: „Jetzt gönnen wir uns mal was“. Wir freuen uns drauf – und sind für diese Themen gut vorbereitet.

Große Krisen sorgen immer für Bewegung. Frank, welche siehst du in Hinblick auf den Reisemarkt?

Tourismus ist ein seltsames Geschäft. Einerseits hochempfindlich gegenüber Einwirkungen von außen – wie etwa nach dem 11. September oder jetzt in Corona-Zeiten. Andererseits so beständig wie kaum eine andere Branche. Vergessen wir nicht: Die klassische Pauschalreise ist auch nach 60 Jahren immer noch einer der Gewinnbringer der Branche.  Und das wird auch so bleiben. Ich denke aber, die Sehnsucht der Menschen zu verreisen, ist größer denn je. Man spürt es überall, die Leute wollen raus. Ich gehe deshalb von einem regelrechten Reiseboom aus, der einsetzen wird, wenn Corona Geschichte ist. Und ganz gleich, ob Menschen beim Wandern im Westerwald oder in Cala Ratjada am Strand entspannen: Wenn wir mit unseren Geschichten nur ein wenig dazu beigetragen haben, die Reisesehnsucht zu verstärken, dann haben wir alles richtig gemacht!

Daniela, wie seid ihr in der Advance für den Re-Start der Branche vorbereitet?

Wir bieten unseren Travel-Kunden aktuell neben den regelmäßigen Reiseumfeldern in allen Bauer-Titeln besondere Zielgruppen-spezifische Aktionen an, wie z.B. „Reiselust – ein crossmediales Reisetagebuch“, bei der die Leser und Leserinnen der Best Ager-Titel von ihren Erlebnissen berichten und ein Reiseveranstalter dies präsentiert. Unsere Stärke sind kundenindividuelle maßgeschneiderte und kurzfristige Lösungen, die bestmöglich auf die Kundenbedürfnisse eingehen und die besonderen Herausforderungen unserer Werbepartner in diesem Jahr im Blick haben.

Wie werdet Ihr Euren Sommer-Urlaub verbringen?

Frank: Wir segeln auf der Ostsee. Kurs Dänische Südsee.

Daniela: Die Sommerferien verbringen wir erstmalig im Norden auf einer wunderschönen Nordseeinsel und ich hoffe auf viel Sonne!

Die Travel & Service Experts erstellen redaktionelle Servicethemen und Reise-Inhalte für über 30 Zeitschriften der Bauer Media Group aus den Bereichen TV-Magazine, Women und Yellow. Das Team, bestehend aus rund 20 Redakteurinnen und Redakteuren, Layouterinnen und Layoutern, produziert über 3.500 Seiten pro Jahr – unterstützt von freien Autorinnen und Bloggerinnen aus aller Welt. Die Inhalte werden dabei in enger Abstimmung mit den Stammredaktionen entwickelt und passgenau auf die Bedürfnisse der jeweiligen Lesergruppe zugeschnitten.

Sie haben Rückfragen? – Melden Sie sich gern bei Katrin Hienzsch.

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