Jochen Kalka liest den GOURMET TRAVELLER

Jochen Kalka ist seit 2006 Chefredakteur aller Titel des Verlags Werben & Verkaufen in München. Der Germanist und Politikwissenschaftler zählt nicht zwangsläufig zur Zielgruppe des neuen Magazins GOURMET TRAVELLER: Seine Kochkünste beschränken sich auf Käsespätzle, Spaghetti und Cevapcici, dafür weiß er die Telefonnummern der Pizza-Dienste in der Umgebung auswendig. Der Blattmacher geht gern essen, liebt das Reisen und kennt sich wie kaum ein anderer in der deutschen Medienszene aus. Er ließ es sich nicht nehmen, für uns die Erstausgabe des GOURMET TRAVELLER zur Hand zu nehmen – und Jochen Kalka ist auf den Geschmack gekommen…

Der GOURMET TRAVELLER ist ein sympathisches Heft. Es wirkt positiv, lässt Luft zum Atmen. Klasse Fotos und Inspirationen. Man will es gar nicht mehr aus der Hand legen. Also: tolle Wirkung, tolle Heftausstattung, toller Lesegenuss.

Zwei Pluspunkte gleich zu Beginn: Ich liebe Rhabarber. Das Titelbild spricht mich sofort an. Allerdings sind die Titeltexte zum Teil zu austauschbar. Hier würde ich mir mehr Bezug zu Reisethemen wünschen. Zum Beispiel wie die Headline „Rom und das Geheimnis der Spaghetti al pomodoro“ am unteren Bildrand. Eigentlich könnte ja im gesamten Heft zu jedem besprochenen Rezept oder Gericht auch ein typischer oder besonderer Ort stehen. Wie wäre es dann am Ende des Heftes mit einer großen Weltkarte, auf der ich sehe, wie das Heft kulinarisch durch alle Welt gereist ist?

Der Einstieg „Augenblick“ mit dem Bild eines Fischerboots in Bangladesch ist großartig, gerade weil es einen Essensbezug gibt. Diese Rubrik wird in Zukunft jeder neuen Ausgabe ein neues Heftgefühl verleihen. Bitte unbedingt fortführen!

World View: Der Hefteinstieg – eine kleine interessante Geschichte zu einem ganz besonderen Ort auf der Erde – zählt zu Jochen Kalkas Favoriten.

Seite sechs liefert unter der Überschrift „Wo wir waren“ Hintergründe und Infos zu den Stories im Heft. Leider finde ich aber die angesprochenen Geschichten auf die Schnelle nicht. Wo ist die Story zu New York, wo die zu Sydney? Das kann ich leider nicht nachvollziehen. Das Inhaltsverzeichnis ist schick, wenn auch etwas leer und unübersichtlich. Ich fände eine Liste mit allen Orten und Kontinenten, die in den Texten erwähnt werden, klasse. Das wäre doch etwas für die Traveller unter den Lesern! Auch auf den Seiten der Stories und Reportagen könnte man die Ortsnamen stärker herausstellen. Orte sind doch so etwas wie der genetische Code der Marke GOURMET TRAVELLER! Auf Seite 12 dachte ich zum Beispiel, die Story würde mich nach New York entführen. Später lese ich dann, dass die Jungs, um die es geht, ihr Restaurant in Melbourne eröffnet haben. Davon abgesehen: Die Rezepte zur Geschichte sehen superverlockend aus!

Eine Story, sieben fantastische Rezepte: Wie zwei Köche aus Melbourne aus sinnlichen Soul Food-Rezepten eine tolle Geschäftsidee entwickelt haben – und damit glücklich wurden.
Die Anregungen, Tipps und Hinweise nehme ich mit in das nächste Redaktionsmeeting. Jochen Kalkas Idee, unsere Themen stärker als Weltreise zu verknüpfen, greifen wir auf jeden Fall auf. Auch die Rubrik ‚Wo wir waren‘ werden wir ändern. Die Bilder waren als Extra-Tipps gedacht. In Zukunft beziehen sie sich auf konkrete Heftinhalte und teasen diese an, so Chefredakteurin Gabriele Mühlen. Sie freut sich, dass der Chefredakteur das Heft mit den Augen eines reise- und genussfreudigen Lesers intensiv gelesen hat.

Gabriele Mühlen, Chefredakteurin House of Food

Die Rezepte für Quick Meals wecken sofort Appetit. So schön. So fantasiereich. So schnell zu kochen? Wow! Auch hier wünsche ich mir mehr sichtbaren Ortsbezug: Wenn ich weiß, dass eine abgebildete Asia-Bowl aus Korea kommt, dann ist das für mich Teil der Genussreise. Und der Sellerie-Käse-Salat mit Minze? Tolle Idee! Kommt das Rezept aus Spanien? Das wüsste ich gern, dann könnte ich das Reisen besser mitschmecken.

Extravagante Überschriften und groß gesetzte Zitate – alles Geschmackssache

Ehrlich gesagt habe ich bei der extravaganten Überschrift zur Geschichte über Whisky tatsächlich SKYWHI statt WHISKY gelesen. Trotzdem hat mich das Thema sofort gefesselt. Die „Frühlingsgefühle“ auf Seite 64 habe ich dagegen gleich korrekt entziffert…

Groß gesetzte Zitate zu Essen, Kochen und Lebensgefühl wie zum Beispiel das Bonmot Virginia Woolfs auf Seite 78 sind zwar schön. Sie haben aber keinen Bezug zum Heft. Es würde besser passen, wenn auf das Zitat ein Bericht über britische Küche folgen würde. Aber das ist natürlich – wie jedes Detail einer Blattkritik – Geschmacksache…

„Familienbande“, die Geschichte über das Restaurant Parwana Afghan Kitchen und eine Familie auf der Flucht, ist eine tolle Idee. So einen Beitrag hätte ich in einem Koch- und Reisemagazin gar nicht erwartet. Kurzweilig und spannend!

Farida Ayubi und ihre Familie haben Afghanistan verlassen und in Australien ein neues Zuhause gefunden: Wer seine Heimat verlässt, nimmt Erinnerungen mit. Und viele Rezepte. Im „Parwana Afghan Kitchen“ kocht die Familie traditionelle Gerichte – und die Australier lieben es.

Völlig zusammenhanglos sind dagegen aus meiner Sicht die beiden Style-Tipps auf Seite 93 ins Blatt gekommen. Die Damenhandtasche Fiorentina und die Damenhalskette stehen wie abgestellt herum. Sie haben keinen Bezug zu Traveller- oder Gourmet-Themen. Dabei können beide Utensilien ja auch in Bezug zum Reisen gesetzt werden – so wie in den Style-Tipps auf Seite 95 unter der Überschrift „Locker bleiben“. Allerdings ist mir auch diese Zusammenstellung zu stark konstruiert. Ein direkter Bezug zu einer Geschichte im Heft – zum Beispiel mit der Überschrift „Unterwegs in Melbourne oder New York“ wäre logischer und naheliegender.

Auf Seite 106 gibt es „Our English Story“, eine Anekdote des Satirikers Dominic Knight in englischer Sprache. Ja, das kann man machen. Als Traveller sollten die Leser des Heftes keine Mühe haben, einen Text auf Englisch zu verstehen. Allerdings erscheint es für mich nicht zwingend, dass der Text auf Englisch abgedruckt werden muss. Auf alle Fälle tut ein Reisebericht aus der Feder eines Humoristen dem Heft richtig gut.

Die Geschichten über Rom, Basel und Bali sind – obwohl so unterschiedlich redaktionell umgesetzt – alle gleich schön. Leser wünschen sich konkrete Tipps. Davon könnte es sogar noch etwas mehr sein, im Idealfall sogar mit groben Karten. Dann erhält man vor Ort schnelle Orientierung bei der Suche der Restaurants: Komme ich aus dieser oder aus jener Ecke…? Auch für den Reisebericht über Nashville, Hauptstadt der Countrymusik, wäre ein Kartenausschnitt sehr hilfreich.

Aus eigener Erfahrung kann ich sagen: Die Tipps zu den Gepflogenheiten und Umgangsformen in den USA sind großartig. Sie stimmen alle. Am Ende bietet mir das Heft noch etwas zum Nachdenken. Ja, das passt. Und die Tatsache, dass ich insgesamt nicht viel zu kritisieren habe, ist ja das größte Lob!

Dass Jochen Kalka sich auf eine derart intensive Reise durch die vielen Themengebiete und Stories des GOURMET TRAVELLER eingelassen hat, finden wir großartig. Wir sind schon am nächsten Heft dran und nehmen aus seiner Blattkritik viele gute Anregungen mit in die Konzeption der kommenden Ausgabe, die im Sommer erscheinen wird.

Gabriele Mühlen, Chefredakteurin House of Food

Dr. Jochen Kalka ist Chefredakteur aller Titel der Werben & Verkaufen GmbH in München. Dazu gehören w&v – Werben & Verkaufen, Der Kontakter und LEAD digital. Von sich selbst sagt Kalka, dass er immer alles aufschreiben müsse. Weil Schreiben seine große Leidenschaft ist, gibt es von Jochen Kalka auch Bücher: In seinem neusten, „Die Startup-Lüge“, rechnet der Marketingexperte mit der Gründerszene ab.
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Zur Pressemitteilung. Sie haben Rückfragen? Melden Sie sich gern bei Katrin Hienzsch.

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