„Happinez-Leserinnen sind Top Call Girls, aber auch Managerinnen und sogar Hexen.“

Gelassenheit, glücklich sein und innere Stärke: Die Happinez-Themenwelten sorgen für Entschleunigung. Warum ist das Mindstyle-Magazin in Deutschland so erfolgreich? „Weil wir Frauen so sein lassen, wie sie wollen“, sagt Chefredakteur Uwe Bokelmann und spricht mit Bestseller-Autor und rheingold institut-Gründer Stephan Grünewald über die Bedürfnisse moderner Frauen, die Faszination seines Mindstyle-Magazins und seine auffallend ungewöhnliche Leserschaft.

Uwe Bokelmann verantwortet bei Bauer gleich mehrere Magazine, dazu die Kompetenzredaktion Medical & Health Experts und er produziert im Jahr mehr als 25.000 Heftseiten. „Ich sehe jedes Thema. Ich sehe jede Seite. Ich lese jeden Text“, so der Happinez-Chefredakteur. Er findet den richtigen Dreh für jede der Zeitschriften, hört zu, vertraut auf die Meinungen anderer – vor allem auf die seiner exzellenten Redakteure – und auf sein untrügliches Gespür. Wir haben Uwe Bokelmann und den rheingold-institut Gründer und Bestseller-Autor Stephan Grünewald, der für Happinez einige tiefenpsychologische Studien umgesetzt hat, zum Interview getroffen.

Herr Bokelmann, wer ist die Happinez-Leserin?

Happinez-Leserinnen passen in keine Schublade! Und sie sind bei weitem nicht das, was alle erwarten: Sie interessieren sich für Spiritualität, was nicht bedeutet, dass sie durchgeknallt sind. Eher das Gegenteil. Sie besitzen einen eigenen Spirit, sind bodenständig, stark und gleichzeitig verletzlich.

Also moderne Frauen, die den Klischees der Mindfulness-Szene nicht unbedingt entsprechen?

Ja, schon die Alterspanne der Zielgruppe ist ungewöhnlich: Happinez-Leserinnen sind zwischen 18 und 91 Jahren alt. Es geht bei Happinez nicht um soziodemografische Merkmale, sondern um gemeinsame Interessen und Werte – ein Lebensgefühl. Wir veranstalten regelmäßig Events für unsere Leserinnen, um sie noch besser kennenzulernen. Deshalb wissen wir das so genau. Das Spannende ist: Darunter sind Top Call Girls, aber auch Managerinnen und sogar Hexen.

Was ist das Besondere an Happinez?

Wir gestehen Frauen zu, so zu sein, wie sie sein wollen. Die eine trägt Gucci, die andere mag Kleidung aus Flachs – wir würden nie bewerten, was besser oder richtig ist. Das Happinez-Team hasst Tipps. Wir geben auch keine Ratschläge. Als Mann will ich auch keine Anleitung, wie ich die Krawatte binden oder mir die Schuhe putzen soll. Mit unseren Geschichten drängen wir unsere Leserinnen zu nichts und bringen sie auch nicht in Zugzwang. Wir blenden aus, ob es cool ist, Single oder verheiratet zu sein. Inhaltlich fahren wir eine klare Linie: Wir haben das Bedürfnis nach ,Entschleunigung‘ frühzeitig erkannt und bedienen es seither konsequent. Die Probleme des Alltags halten wir aus den Heftinhalten raus und damit meine ich: Kinder, Hunde und Männer (lacht). Als wir angefangen haben, war das ein total mutiger Ansatz.

Stephan Grünewald:


Um herauszufinden, was die Faszination von Happinez ausmacht, haben wir* vor fünf Jahren tiefenpsychologische Studien erstellt. Dabei haben wir erfahren, dass der Titel schon am Zeitschriftenregal so gut ankommt, weil die hochwertige Haptik ebenso wie der Kreis auf dem Cover symbolisieren: Bei Happinez geht’s nur ums eigene Ich. Wichtiger noch ist natürlich der Inhalt: Happinez-Themen schaffen ,Alltagsinseln‘, auf denen sich die Leserinnen für ein paar Stunden eine Auszeit gönnen. Während dieser Zeitfenster schalten sie komplett ab. Die Geschichten im Magazin vermitteln: ,Sei wie du bist, Du musst dich für nichts rechtfertigen.‘ Achtsamkeit wird oft als radikaler Gegenentwurf zur schnell getakteten digitalen Welt gesehen. Ob das tatsächlich so ist, oder wir es mit zwei Aspekten zu tun haben, die das Leben moderner Menschen heute ausmachen, möchte ich mal so stehen lassen. Der Wunsch, zumindest zeitweise im Leben Action und Achtsamkeit zu genießen, ist bei vielen da.

Wer gern auf der Überholspur fährt, braucht Ruhepausen, um auftanken zu können. Nichts anderes ist das Nebeneinander von unterschiedlichen Lebensentwürfen, Phasen und Bewegungen.

Stephan Grünewald, Bestseller Autor und Psychologe

Uwe Bokelmann:

Auch die Redaktion von Happinez setzt sich nach diesem Muster zusammen. Als wir das Magazin 2010 gegründet haben, hatte ich ein klares Bild im Kopf, welche Mitarbeiterinnen ich in meinem Team haben will: Wenn ich mir heute die beiden weiblichen Redaktionsleiterinnen von Happinez ansehe, könnten diese Frauen nicht unterschiedlicher sein. Die eine entspricht dem Bild der gebildeten, spirituellen und eher nachdenklichen Frau. Die andere ist sehr modern und experimentell. Beide haben auf den ersten Blick nichts miteinander zu tun und gleichzeitig alles. Hinzu kommt, dass genau genommen keiner in der Happinez-Redaktion so arbeitet, wie ich das will (lacht). Dieser außergewöhnliche Mix überträgt sich auch auf unsere Leserinnen.


Und welche sind nun die typischen Mythen und Irrtümer über die Bedürfnisse moderner Frauen, Herr Grünewald?


Es ist zum Beispiel ein Vorurteil, dass Frauen süchtig sind nach Harmonie. Frauen ist vielmehr eine schöpferische Unruhe extrem wichtig. Wenn ich mit meiner Frau am Samstagmorgen beim Frühstück sitze und gerade anfange, die Woche abfallen zu lassen und mich zu entspannen, scannt sie mit wachen Sensoren all die Punkte, die erledigt werden müssen. Ich gerate in diesen Strudel der Verwandlung und spüre: Jetzt sollte ich möglichst schnell lösungsorientiert handeln (lacht). Happinez ist der komplette Gegenentwurf. Beim Lesen können Frauen wirklich abschalten und einfach mal nichts tun.

Happinez-Chefredakteur Uwe Bokelmann

Stephan Grünewald: Buchautor, Psychologe, mehrfacher Familienvater und Gründer des rheingold instituts in Köln

Der Psychologe Stephan Grünewald ist Gründer des Markt- und Medienforschungsinstituts rheingold. Auf Basis der morphologischen Psychologie analysieren beim rheingold institut 50 feste und 70 freie Mitarbeiter – überwiegend Diplom-Psychologen – die unbewussten seelischen Einflussfaktoren und Sinnzusammenhänge, die unser Handeln mitbestimmen. Diese Studien beleuchten die Entwicklung von Märkten und eröffnen dem Marketing innovative und kreative Wege. Stephan Grünewald ist ausgebildeter Psychotherapeut sowie Autor mehrerer Bücher. Darunter die Bestseller »Deutschland auf der Couch« und »Köln auf der Couch« (KiWi)

Uwe Bokelmann:

Deshalb sind Happinez-Geschichten auch nicht kurz, denn was kurz ist, ist nicht relevant. Alles, was unsere Fantasie anregt oder unterhält, erzeugt Entspannung. Entschleunigung bieten sowohl die opulente Optik, als auch unsere langen, emotionalen Geschichten mit Tiefgang. Viele Leserinnen schreiben uns, dass sie die Geschichten teilweise zweimal lesen. Sie beschäftigen sich mehrere Wochen mit dem Magazin und das finden wir natürlich toll. Abschalten wird in Zeiten der Informationsüberflutung und der beschleunigten Entwicklung modernster Technologien zum neuen Luxus. Seit Jahren wird Achtsamkeit für viele Menschen einfach immer selbstverständlicher. Diese neue Gelassenheit ist ein Grundmodus, der in allen Lebensbereichen funktioniert. Er macht einfach zufriedener.

Haben Sie Fragen zum Happinez-Talk mit Uwe Bokelmann und Stephan Grünewald? Wenden Sie sich gern an Anna Störmer.

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