3.000 Ausgaben Perry Rhodan – Science Fiction und wahre Weltraumerlebnisse

PERRY RHODAN setzt sich für die Interessen der Menschen ein, trifft auf Außerirdische und Roboter, auf uralte Wesen aus fernen Galaxien und Geheimnisse aus der Vergangenheit. Jetzt erscheint die 3.000 Ausgabe der Romanserie. Wir haben mit Reinhold Ewald, Astronaut und davor PERRY RHODAN-Leser der ersten Stunde, über Science Fiction, Schwerelosigkeit und echte Sternstunden im Weltraum gesprochen.

Herr Ewald, mit „Mythos Erde“ erscheint am 15. Februar der 3.000 Band der Roman-Serie PERRY RHODAN. Sie haben als Jugendlicher die Romane gelesen: Was hat sie an der Weltraumserie um den Astronauten fasziniert?

Reinhold Ewald: Als Kind habe ich unheimlich viel gelesen. Vor allem Zukunftsromane, aber auch Bücher, in denen es um technische und astronomische Themen ging. Die Jugendliteratur der Stadtbibliothek von Mönchengladbach hatte ich relativ schnell durchgelesen. Die Bibliothekarin hatte viel Verständnis und ermöglichte mir den Zugang zur Erwachsenenbücherei. In dieser Zeit habe ich auch die PERRY RHODAN-Romane für mich entdeckt. Rhodan hat mich damals fasziniert, aber meine Lieblingsfigur war Gucky der Mausbiber. Ein Mutant mit überirdischen Kräften, der 500.000 Kilometer weit springen kann.

Elf Autorinnen und Autoren schreiben zurzeit für die Romanserie PERRY RHODAN, deren erster Teil „Unternehmen Stardust“ 1961 erschienen ist: Perry Rhodan landet darin auf dem Mond, wo er auf Außerirdische trifft. Die Reihe der PERRY RHODAN-Planetenromane zählt insgesamt über vierhundert Titel. Mehr als 4.500 weitere Romane gehören zur gleichen Erzählwelt, dem PERRYversum. Darüber hinaus gibt es Taschenbücher und gebundene Ausgaben, Hörspiele, Hörbücher und Comics. Auslandsausgaben erscheinen in Japan und Brasilien, Frankreich und Tschechien, den Niederlanden und – als E-Books – im englischen Sprachraum.

Sie sind Astronaut geworden: Haben Science Fiction-Romane Ihren Berufswunsch beeinflusst?

Reinhold Ewald: Vielleicht. Sie haben vor allem mein Bewusstsein dafür geschärft, was mir wichtig ist. Die Geschichten von PERRY RHODAN waren für mich zu sehr mit der Abwehr von Gefahren verbunden, die aus dem All drohen. Mich dagegen hat von Anfang an die Möglichkeit fasziniert, den existentiellen Fragen im All nachgehen zu können. Beispielsweise der, ob es weiteres Leben im Weltraum gibt. Ich persönlich habe die Raumfahrt immer als friedliche Mission betrachtet und das ist sie bis heute. Von der Internationalen Raumstation gehen keinerlei Gefahren aus.

Mit Erscheinen der 3.000 PERRY RHODAN-Ausgabe im Februar 2019 kommen sechs E-Books als abgeschlossene Kurzromane heraus: „Geschichten, die in den ,verlorenen Jahrhunderten‘ spielen, die vor dem Band 3.000 vergehen werden“, erklärt Klaus N. Frick, der PERRY RHODAN-Chefredakteur. „Vor allem Leser, die wissen möchten, was in den Anfängen passiert ist, können sich auf die Kurzromane freuen.“ In „Perry Rhodan – Das größte Abenteuer“ erzählt beispielsweise Bestsellerautor Andreas Eschbach davon, wie es für den Raumfahrer war, in den vierziger Jahren aufzuwachsen und in den fünfziger Jahren ein junger Pilot zu sein.
Völlig losgelöst: Reinhold Ewald
,Sind Astronauten Helden?‘ Wenn Sie mir auf der Straße begegnen, würden Sie sich nicht nach mir umdrehen. Aber es gibt natürlich ,Firsts in Space‘, Heldentaten eines Einzelnen im All: Alexei Leonow verließ als erster Mensch ein Raumschiff und schwebte, nur mit einer Leine gesichert, im Weltraum. Doch die Raumfahrt von heute ist Teamwork und der Hype um Helden geht vor allem auf Social Media zurück.
Blick in die Sojus-Kapsel beim Blick aus der Sojus-Kapsel.

Was ist es für ein Gefühl, wenn die Mission tatsächlich startet?

Reinhold Ewald: Ich bin 1997 mit zwei weiteren Kosmonauten in der Sojus TM-25 Kapsel in den Weltraum geflogen, um zur MIR zu gelangen. Es dauerte zwei Tage, bis wir die Raumstation erreicht haben. Stellen Sie sich eine Telefonzelle vor – so wenig Raum hatte jeder für uns in der Kapsel zur Verfügung. Das war spartanischer als Camping! Ein großer Kontrast zu den komfortablen Raumschiffen mit artifizieller Gravitation, die in Science Fiction-Romanen durch das All rasen. Es fühlt sich surreal an: Trotz der Schwerelosigkeit ist man mit jeder Faser des Körpers angespannt.

Im Gegensatz zu Science Fiction-Helden heben wir nicht auf Knopfdruck ab: Eine Raumfahrtmission basiert auf jahrelanger Vorbereitung. Ich zitiere gern Tom Wolfe, der in seinem Roman „The Right Stuff“ über den Stoff schreibt, aus dem Weltraumhelden gemacht sind. Heute zählt bei einer Weltraummission „The Right Staff“! Es kommt auf die Menschen im Team an, die eine Mission erst möglich machen.

Reinhold Ewald zusammen mit zwei Kosmonauten in Baikonur auf der Startrampe zur Mission „MIR97“.
Nimmt man die Zahl von einer Milliarde Romanen, die von PERRY RHODAN im Verlauf der vergangenen Jahrzehnte verkauft worden sind, ergeben sich beeindruckende Zahlen. Kalkuliert man für einen Roman nur die Dicke von fünf Millimetern, kommt man bei einer Milliarde verkaufter Heftromane auf einen Turm mit einer Höhe von 500 Kilometern. Dies entspricht einer längeren Strecke als die Entfernung der Erde zur Internationalen Raumstation.

Was war das Ziel Ihrer Mission?

Reinhold Ewald: Wir wollten erforschen, auf welchem technischen Stand die Raumfahrt in Russland war. Gleichzeitig haben wir verschiedene technische und medizinische Experimente durchgeführt. Ich sehe die Erde seit meiner Mission mit größerer globaler Besorgnis. In 90 Minuten sind wir auf der Umlaufbahn einmal um die Erde geflogen, an einem Tag haben wir sie 16-mal umkreist. Ich habe während meines Weltraumflugs schon vor mehr als 20 Jahren gesehen, wie sich die Erde verändert hat. Die Zusammenhänge sind so offensichtlich, wenn man von oben die riesigen Flächen sieht, auf denen beispielsweise der Regenwald gerodet wurde.

Ein PERRY RHODAN-Roman umfasst ungefähr 100 Manuskriptseiten. Bei 3.000 Bänden entspricht das einem fortlaufend erzählten Werk von etwa 300.000 Manuskriptseiten. Anders gesagt: Die PERRY RHODAN-Serie entspricht dem 50-fachen Umfang von  „Auf der Suche nach der verlorenen Zeit“ von Marcel Proust, dem längsten Roman der Welt. Sie hat insgesamt so viele Seiten wie 25-mal die „Harry Potter“-Serie. Der Bestsellerautor Andreas Eschbach, der einen der aktuell erschienenen E-Book Romane geschrieben hat,  sagte: „Seit Erfindung der Schrift ist niemals und nirgends eine längere fortlaufende Geschichte erzählt worden als PERRY RHODAN.“

Lieber Herr Ewald, danke für die Eindrücke und das Gespräch.

Reinhold Ewald begleitete die „Blue Dot“ Mission, den ersten Flug seines Astronautenkollegen Alexander Gerst, unter anderem mit dem mehrteiligen Social Media-Format „Fragen an einen Astronauten“.

Reinhold Ewald, 1956 geboren, studierte Physik und promovierte 1986.  Er stieß als Koordinator zum Raumfahrtbereich des DLR (Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt) und wurde 1990 ins Astronautenteam berufen: Seine Astronautenausbildung startete er im Juri A. Gagarin Kosmonautenausbildungszentrum Sternenstädtchen bei Moskau. Am 10. Februar 1997 hob Reinhold Ewald im Rahmen der zweiten deutsch-russischen Mission MIR’97 in der Sojus TM-25 Kapsel zu seinem ersten Flug ins All ab. Drei Wochen befand sich der Astronaut im Weltraum und davon 18 Tage auf der MIR. Seit 1999 gehört Reinhold Ewald zum Europäischen Astronautenkorps der ESA in Köln. 2015 wurde er als Professor für das Fachgebiet Astronautik und Raumstationen an das Institut für Raumfahrtsysteme der Universität Stuttgart berufen.

Kerstin Walker sprach mit dem Astronauten Professor Reinhold Ewald. Sie haben Rückfragen? – Melden Sie sich gern bei Anna Störmer.

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