Chancen in der Krise – Wir sprechen mit Publishing-CEO Ingo Klinge

Wie Corona unsere Gesellschaft und unser Arbeitsleben auch nach der Krise begleiten wird und warum gerade kreative Branchen wie die Medienwelt von einem Mix aus virtuellen und persönlichen Kontakten leben, erklärt Ingo Klinge, CEO der Business Unit Publishing Deutschland, im Interview.

Publishing-CEO Ingo Klinge gab in einem unternehmensinternen Interview vor ein paar Monaten an, ein hoffnungsloser Optimist zu sein, der eine gesunde Skepsis habe gegenüber Superlativen. Das Gespräch fand vor Corona statt und Ingo Klinge sagte: „Die Welt um uns herum verändert sich, das klassische Printgeschäft ist rückläufig. Also müssen wir uns verändern und anpassen, um langfristig erfolgreich zu sein. Das ist im Prinzip wie ein Naturgesetz. Wir gehen die Herausforderungen des Marktes mit viel Energie an und haben einen Plan für die Zukunft. Und ja, ich bin überzeugt davon, dass unser Plan sehr gute Chancen darauf hat, zu gelingen. Da kommt der Optimist durch.“

Wenige Monate nach diesen Sätzen kam Corona, und die Veränderungen, die ohnehin schon absehbar waren, nahmen Fahrt auf. Wir haben Ingo Klinge gefragt, wie er die Herausforderungen für Bauer Media annimmt und welchen Vorsprung uns Corona beim Thema New Work verschaffen kann.

Ingo, welche Schritte habt Ihr zu Beginn der Coronakrise bei Bauer Media unternommen als klar wurde, dass die Lage ernst ist?

Ingo Klinge: „Wir haben schnell und pragmatisch auf die Ausbreitung der Pandemie in Deutschland reagiert und den Großteil der Mitarbeiter*innen kurzfristig ins Home Office versetzt. Priorität hatte und hat zu jeder Zeit der Schutz aller Mitarbeiter*innen vor einer Ansteckung – die Gewährleistung der Produktionssicherheit kommt an zweiter Stelle. Die technische Ausstattung der Kolleg*innen im eigenen Heim sowie die Kommunikation untereinander via MS Teams haben reibungslos und direkt funktioniert – obwohl wir mit dem Arbeiten aus dem Home Office bis dahin nur begrenzt Erfahrungen hatten. Jeder Einzelne hat dazu beigetragen, dass diese Umstellung von einem auf den anderen Tag realisiert werden konnte. Diese einzigartige Team-Leistung hat uns als Unternehmen noch näher zusammenrücken lassen: Aus großartigen Einzelkämpfern ist eine Mannschaft auf Champions League-Niveau erwachsen. Mit der aus unternehmerischer Sicht erfreulichen Folge, dass all unsere Produkte auch weiterhin in der gewohnt hohen Qualität produziert wurden und wir die wirtschaftlichen Auswirkungen auf unser Publishing-Geschäft in Deutschland so verhältnismäßig niedrig halten konnten.

Die Produktion läuft seitdem unter der Prämisse: Safety first?

Durch vielschichtige und weitsichtige Schutzmaßnahmen haben wir die Sicherheit aller Mitarbeiter*innen, die nicht aus dem Home Office arbeiten können, stets an allen unseren Standorten gewährleistet. Darunter fallen beispielsweise die dauerhafte Einhaltung der vorgeschriebenen Sicherheitsmaßnahmen und Mindestabstandsregeln, die Etablierung neuer Verhaltensregeln und Hygienevorschriften sowie Reiseverbote und strenge Kontrollen externer Besucher. Zu Beginn haben wir teilweise –
zum Beispiel bei den Kontaktbeschränkungen – strengere Vorschriften angelegt, als von den Behörden verordnet. Mittlerweile orientiert sich die Bauer Media Group an den gesetzlichen Maßgaben.

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Ingo Klinge ist seit 1999 bei der Bauer Media Group tätig. Im April 2020 wurde er CEO der Business Unit Publishing Deutschland. Zuvor war er in der Verlagsgeschäftsführung u.a. für die Segmente Women und Yellow verantwortlich sowie Mitglied des deutschen Management Teams.
Jetzt gilt es zu definieren, wie wir als Unternehmen in Zukunft arbeiten und als Team zusammenarbeiten wollen – um dieses Zielbild dann schnellstmöglich zu leben!

Ingo Klinge

Nicht nur bei Bauer, auch in vielen anderen Unternehmen hat Corona alle Mitarbeiter*innen vor neue Herausforderungen gestellt. Wie habt Ihr diese gelöst und Chancen in der Krise aufgespürt?

Eine proaktive, dialogische und transparente Kommunikation ist uns wichtiger denn je, um alle Fragen bestmöglich zu beantworten und Unsicherheiten zu vermeiden. Die neue Art des Arbeitens und der Zusammenarbeit erlernt niemand über Nacht. Deswegen haben wir digitale Kommunikationsplattformen geschaffen, um den Dialog zu fördern. Es gab Online-Trainings zu Themen wie Selbstorganisation im Home Office und Digitale Zusammenarbeit sowie spezielle Coaching-Angebote für Führungskräfte, da Führung in der Krise eine besonders wichtige Rolle zukommt.

Wenn Du die Erfahrungen aus den letzten drei Monaten für die Zukunft einordnest: Was wird sich weiter verändern und wie können wir davon profitieren?

Wir sind davon überzeugt: Corona wird unsere Gesellschaft und damit auch das Arbeitsleben noch über viele Monate begleiten. Mittelfristig setzen wir bei der Bauer Media Group auf eine Kombination aus Arbeiten im Home Office und Arbeiten im Büro. Dazu haben wir detaillierte Pläne erarbeitet, die die Sicherheit aller gewährleisten sowie die individuellen Bedürfnisse unserer Mitarbeiter*innen bestmöglich berücksichtigen. Kinderbetreuung, Risikogruppen, Wohnverhältnisse und persönliche Präferenzen sind wichtige Faktoren, die eine entscheidende Rolle spielen.

In einer kreativen Branche wie unserer kommt dem Miteinander eine hohe Bedeutung zu: Wir erschaffen emotionale Produkte, die nicht auf einer Betriebsanleitung basieren, sondern in konstruktiver Zusammenarbeit entstehen – durch den Austausch von Ideen, zielorientiertes Feedback und stetige Inspiration. Nur wenn es neben dem virtuellen auch einen persönlichen Kontakt gibt, können wir qualitativ die besten Produkte für unsere Zielgruppen machen!

Wir haben Arbeitsgruppen ins Leben gerufen, die sich intensiv und gründlich mit den Corona-Learnings befassen. Wir wären dumm, wenn wir den Vorsprung, den Corona uns beim Thema New Work verschafft hat, nicht weiterverfolgen und dieses Momentum nicht für uns nutzen würden. Jetzt gilt es zu definieren, wie wir als Unternehmen in Zukunft arbeiten und als Team zusammenarbeiten wollen – um dieses Zielbild dann schnellstmöglich zu leben!“

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