„Justice for Joseph”

Durch die Medienkampagne „Justice for Joseph“ konnte der regionale Radiosender Key 103 die britische Regierung bewegen, härtere Strafen für Raser auszusprechen: Mit Chefreporterin Michelle Livesey sprachen wir über die Hintergründe.

„Justice for Joseph“ ist ein Erfolg! Als Antwort auf die Medienkampagne des lokalen Radiosenders Key 103 verkündete die britische Regierung drei Jahre nach dem tragischen Tod von Joseph Brown-Lartey eine Gesetzesänderung: Landesweit können Raser künftig mit Haftstrafen von 14 Jahren bis zu lebenslänglich rechnen.

Vier Jahre für ein Menschenleben! Bis Oktober 2017 dauerte die Haftstrafe für einen Unfall mit Todesfolge in Großbritannien im Durchschnitt nur 48 Monate. In vielen Fällen wurden Raser bereits nach der Hälfte der Zeit wieder frei gelassen. So auch im Fall von Joseph Brown-Lartey, der im November 2014 auf einer Straße bei Manchester gestorben war.

Joseph Brown-Lartey starb am Morgen des November 2014 nach einem Autounfall auf der Sandy Lane, Bamford, Rochdale. Ein 19-Jähriger war mit seinem Audi A6 in sein Fahrzeug gerast und Josephs Wagen wurde beim Aufprall auseinandergerissen. Der 25-Jährige verstarb noch an der Unfallstelle. In den britischen Medien wurde der Unfallverursacher als „Snapchat-Raser“ tituliert. Am Tag zuvor hatte er ein Foto seiner Geschwindigkeitsanzeige gepostet, die 142 Meilen in der Stunde anzeigte. Key 103 startete nach dem tödlichen Unfall mit Josephs Eltern und Brake, einer gemeinnützigen Organisation, die Kampagne #JusticeforJoseph: Diese sollte die Regierung zu härteren Strafen für Raser bewegen.
Michelle Livesey sprach auf der NEXT Radio Konferenz 2017 über „Campaigning Journalism“ und unter anderem auch über „Justice for Joseph“.

Michelle Livesey, Chefreporterin bei Key 103, dem lokalen Sender von Bauer Radio UK in Manchester, sagt: „Joseph hatte keine Chance. Der 25-jährige starb innerhalb weniger Minuten in seinem Audi.“ Ein anderer Autofahrer hatte eine rote Ampel in Rochdale bei Manchester missachtet und war mit 130 Stundenkilometern in das Fahrzeug gekracht. Der Raser wurde zu sechs Jahren Gefängnis verurteilt. Die Richter kündigten in der Urteilsverkündung an, dass er bei guter Führung schon nach drei Jahren freikommen könnte. Michelle Livesey erinnert: „Für Josephs Eltern war das ein weiterer Schlag ins Gesicht!“

Ian Lartey-Brown, Josephs Vater, betonte nach der Verkündung des Urteils: „Es ist so frustrierend. Wenn das System Straftäter frühzeitig entlassen kann ist das ein Signal an den Rest der Welt: Ihr könnt machen was ihr wollt, wir unterstützen euch noch dabei.“

Aufklärung, Publicity und Emotionen: Medien können viel verändern

Rückblickend bezeichnet Livesey die Gesetzgebung als Skandal: „Es war an der Zeit, dies zu ändern.“ Key 103 startete 2014 mit Josephs Eltern und Brake, einer gemeinnützigen Organisation, die Kampagne #JusticeforJoseph: „Medienkampagnen sind eine treibende Kraft, mit der wir das Leben vieler Menschen ändern können“, sagt die Chefreporterin. Die Journalistin hatte sich im Namen des Senders in den Jahren zuvor schon für den Opferschutz vor Gewalttätern und eine Aufklärungskampagne für Drogenopfer stark gemacht.

„Wir haben mit David Cameron und Theresa May persönlich in der Downingstreet gesprochen“ – Michelle Livesey
Michelle Livesey

Kampagnen haben ein Ziel: Die Initiatoren bleiben dran, bis es erreicht ist

Mit #JusticeforJoseph forderte Key 103 von der Regierung härtere Strafen für rücksichtlose Raser: „Wir haben mit David Cameron und Theresa May persönlich in der Downingstreet gesprochen“, so Michelle Livesey. Die Kampagne lief über Monate als Nummer Eins-Thema in den großen Frühstücks- und Abendsendungen des Senders. Die Journalistin und ihre Mitstreiter sammelten mehr als 21.000 Unterschriften für eine Regierungspetition: „Wir wollten die Verantwortlichen zum Umdenken zwingen.“

Der >>Radiosender Key 103 aus Manchester ist einer von 80 Bauer Radio-Sendern in Großbritannien. Mit diesem Senderportfolio und einem Marktanteil von 34 Prozent ist die Bauer Media Group Vize-Marktführer unter den privaten Rundfunkunternehmen in UK. Die Bauer Media Group wird überwiegend mit Zeitschriften assoziiert, ist jedoch europaweit mit täglich 24 Millionen Hörern das größte Radiohaus. Über 100 Sender in Polen, Großbritannien, der Slowakei und Skandinavien gehören zum Unternehmen. In der Heimatstadt Hamburg hält Bauer eine Beteiligung an Radio Hamburg, dem meistgehörten Sender der Hansestadt.

Der Höhepunkt

Der Höhepunkt des Kampagnenkampfes war im Juli 2016 erreicht, fast zwei Jahre nach dem tödlichen Unglück: „Wir haben das Autowrack des Todesfahrers vor das Regierungsgebäude geschleppt“, erzählt Michelle Livesey. Alle großen Medien des Landes waren live vor Ort und berichteten. Nach der Aktion verspricht die Regierung in einer offiziellen Erklärung, sich dem Thema zu widmen.

Am 15. Oktober 2017 verkündet Justizminister Dominic Raab die geplante Gesetzesänderung. Gleichzeitig sichert das Justizministerium den Gerichten die volle Unterstützung zu, damit diese künftig entsprechend der Schwere einer Tat urteilen können.

Joseph’s Vater sagt: „Es ist überwältigend. Wir haben hart gekämpft, um unser Ziel zu erreichen. Es ist gut und richtig, dass die Regierung auf unsere Stimmen und auf die der Öffentlichkeit gehört hat.“

Zum Artikel von Key 103 zum Thema. Sie haben Rückfragen zum Thema? – Melden Sie sich gern bei Kevin Finner.

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